Donnerstag, 11. Februar 2016

Über Krankenhausarbeit

Bald werde ich meine Arbeitsstelle wechseln und ich habe es noch nicht mal geschafft etwas über meine jetzige Beschäftigung zu schreiben. Deswegen kommt das jetzt: Meine Arbeit im Krankenhaus.

Ich habe bestimmt schon mal erwähnt, dass ich auf der Station für die Mütter und Kinder arbeite, kurz MCH (Mothers Children Health/ Mutter Kind Gesundheit). Hier ist immer sehr viel los, von montags bis freitags und ab acht Uhr morgens. Jeden Tag kommt eine andere Gruppe von Müttern. Montags die schwangeren Frauen die das erste Mal kommen, dienstags Mütter mit Kindern unter fünf Jahren, mittwochs sechs Tage und sechs Wochen alte Babys, donnerstags schwangere Frauen zur Kontrolle und freitags ist das sogenannte „Family Planning“ wo Mütter mit Kindern allen Alters kommen.
Jeden Tag müssen dabei Registerkarten ausgefüllt werden, die Daten in verschiedene Bücher eingetragen werden und der ganze Papierkram wirklich auf Papier erledigt werden, da wir keinen Computer haben.


Das ist ganz schön viel Arbeit, besonders, weil die Frauen hier keine feste Uhrzeit, einen Termin sozusagen, bekommen, wie ich das aus Aachen kenne. Sie bekommen einen Tag gesagt an dem sie erscheinen müssen und dann stehen manchmal morgens um acht Uhr fünfzig Frauen auf der Matte mit ihren Babys und Kindern und alle müssen gewogen werden, Temperatur und BP gemessen bekommen, Impfungen oder HIV Tests unterzogen werden und und und.


Ich arbeite immer bis fünfzehn Uhr und wenn ich nach Hause gehe, sind oft noch viele Patienten da und warten.
Da wir nur zwei Behandlungszimmer haben, machen wir die Registration von draußen. Wir stellen Bänke als Wartezimmer auf, einen Tisch wo BP und Temperatur gemessen wird und wir die Karten der Babys und ähnliches ausfüllen, hängen eine Babywaage auf und stellen eine Messlatte hin.


Manchmal ist das in ein bis zwei Stunden getan, manchmal kommen aber auch so viele Mütter, dass schon die Registration lange dauert. Mein extremster Fall war einmal ein Freitag wo ich 90 Family-Planning-Karten bei mir liegen hatte. Das bedeutet 90 Frauen wiegen, Blutdruck messen und dann ins Behandlungszimmer schicken wo HIV Tests gemacht werden, Blut abgenommen wird und Impfungen verteilt werden.
Unsere Station ist nicht einfach nur für die Routinekontrollen der Babies und Mütter zuständig, sondern auch für das Aufklärungsprogramm in Sachen wie HIV, Malaria und anderen Krankheiten. Deswegen unterrichtet eine Krankenschwester die wartenden Mütter immer, nicht nur, um die Wartezeit zu verkürzen, sondern um aufzuklären. Health Education heißt das.


Ich glaube, das ist eins der wichtigsten Dinge die wir hier machen. Weil viele Mütter noch sehr jung sind und nicht recht wissen wie gefährlich es sein kann HIV Positiv zu sein oder Malaria während der Schwangerschaft zu bekommen. Wir führen dann nicht nur die Tests durch, sondern verteilen auch Medikamente an die HIV Positiven Mütter und beraten sie, wie sie mit der Krankheit bezüglich ihrer Schwangerschaft umgehen sollen, damit es nicht auf das Baby übertragen wird. Da jeden Tag so viele Mütter kommen, denke ich, ist das Aufklärungsprogramm sehr gut, da es so viele Leute erreicht. Außerdem unterrichten die Krankenschwestern auf ihrer lokalen Sprache, so dass auch jeder versteht um was es geht. Nicht selten ist es nämlich so, dass Englisch nicht gut verstanden wird, da es höchstens in der Schule gesprochen wird und nicht Zuhause. Zum Glück lassen sich meine Kollegen nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn mal wieder über dreißig Mütter auf der Matte stehen und möglichst schnell wieder nach Hause oder zur Arbeit wollen.
Wir arbeiten so gut und so schnell es geht und das ist motivierend. Auch wenn wir nicht über die neusten Technologien verfügen und sicherlich auch etwas in der Arbeitsmoral verbessert werden kann, funktioniert die Arbeitsweise und nach einem beschäftigenden Tag kann man dann auch zufrieden nach Hause gehen.


Ich jedenfalls war sehr froh einmal in einem sambischen Krankenhaus arbeiten zu können und habe mich total gefreut wie willkommen ich in das Team aufgenommen wurde. Ich hab sicherlich viele Erfahrungen dort gesammelt.

Montag, 1. Februar 2016

Wieder zurück im Alltag

Wie ihr sicherlich auf einem der Fotos des letzten Posts gesehen habt, bin ich wieder sehr herzlich in Mazabuka und in meiner Familie empfangen worden. Der erste Tag wieder Zuhause war trotzdem etwas befremdlich. Ich musste mich noch einmal im Schnelldurchlauf wieder an alles gewöhnen, doch dann, vom einen auf den anderen Moment war ich wieder mitten im Alltag und wirklich daheim. Ich habe mir die ersten Tage noch freigenommen um wieder anzukommen, doch eigentlich war das Ankommen nach dem einen Tag wirklich erledigt.
Dafür hatte ich trotzdem Programm, da nämlich die Auswahltage für die sambischen Freiwilligen hier in meiner Gemeinde stattfanden und ich dort auch mit teilnahm um den Bewerbern ein bisschen zu erzählen was sie so erwartet. Mir hat es richtig Spaß gemacht mich dort einzubringen und ich freue mich schon auf die Vorbereitungswochen hier, welche ich auch mit leiten werde.
Nach dem ersten Arbeitstag nach einem Monat war dann wirklich wieder vollständig Alltag eingekehrt.
Am ersten Wochenende hatten wir auch direkt wieder Programm: Gestern war nämlich der Gedenktag von Don Bosco. Und da unsere City of Joy diesem gewidmet ist, wurde dort dieser Tag groß gefeiert. Schon morgens in der Messe gestalteten die Kinder der City of Joy diese mit und nachmittags waren wir alle dorthin eingeladen.


Zusammen mit meinen Freundinnen und mit meiner Schwester machten wir uns nach dem Mittagessen auch auf den Weg. In der City of Joy angekommen wurde ich direkt von den Freiwilligen die dort arbeiten begrüßt und wir gingen in die Halle, dort, wo die Veranstaltung stattfand. Alles war mit bunten Luftballons geschmückt, die Leiter trugen Don-Bosco-T-Shirts und es lief natürlich laut Musik. Die Nonnen eröffneten die Feier dann mit ein paar Worten und es ging mit den Aufführungen los.


Generell ist das bei solch einer Feier immer ähnlich. Es wird der typische Culture-Dance aufgeführt, verschiedene Gruppen die singen oder tanzen, es gibt ein kleines Schauspiel und Art Gedichte die aufgesagt werden.

Was ich immer cool finde, ist, dass auch die Nonnen mittanzen und hier wirklich das Gegenteil von konservativer Kirche gezeigt wird. Außerdem fand ich es irre schön zu sehen, wie sehr Don Bosco in die Aktivitäten eingegliedert war. Es wurden Lieder über ihn gesungen und die Schauspiele hatten mit ihm und seinem Wirken zu tun. Natürlich war es auch einfach schön dort all seine Freunde zu treffen und ein bisschen zu quatschen und Fotos zusammen zu machen.
Mit den Freiwilligen der City of Joy habe ich mich auch ein bisschen unterhalten, da ich wahrscheinlich schon in ein paar Wochen meine Arbeitsstelle dorthin wechseln werde. Zurzeit sind dort Freiwillige aus England, Österreich und Belgien die sich um die Kinder kümmern.
Im Moment arbeite ich ja noch im Krankenhaus, auf der Station mit den Müttern und Kindern. Bevor ich also meine Arbeitsstelle wechsle, werde ich auf jeden Fall noch einen Post über die Arbeit im Krankenhaus schreiben.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Mal eine Zugfahrt etwas anderer Art


Als es von Dar Es Salaam wieder zurück nach Sambia ging hatten wir abermals über 2000 Kilometer vor uns. Dieses Mal wollten wir jedoch nicht mit dem Bus fahren, sondern den tansanischen Zug ausprobieren der berühmt für seine Abenteuerfahrt ist. Wir hatten vorher schon etliche Geschichten über diesen Zug, die Tanzara, gehört: Dass Vorfreiwillige Tage auf den Zug gewartet hatten, dass er über drei Tage braucht um die Strecke zu bewältigen, dass er höchstens 30 Kilometer pro Stunde zurücklegt, dass die Schienen letztens weggeschwemmt waren und es auch schon einmal vorgekommen ist, dass er anhalten musste, weil ein Elefant auf den Schienen stand.
Mit Neugierde was wir wohl so erleben würden, fanden wir uns (fünf Freiwillige aus Sambia) am Bahnhof ein, pünktlich natürlich. Wir schlossen schon Wetten ab wie lange wir wohl auf den Zug warten müssten. Vielleicht würde er drei Stunden Verspätung haben? Vielleicht vier? Pünktlich um halb zwei Abfahrtszeit gingen die Leute in den Zug. Wir waren total überrascht. Menschen strömten auf den Bahnsteig, die Koffer auf den Köpfen tragend, und das pünktlich!




Der Zug fuhr um zwei Uhr ab. Sowas hatten wir selten erlebt, die vermeidlich typische Unpünktlichkeit hatte sich diesmal nicht bestätigt. Wir bezogen unser Abteile, Mädchen und Jungen getrennt, mit jeweils vier Betten. Es war total gemütlich irgendwie.




Wir hatten keine Komplikationen auf der Fahrt, keine weggeschwemmten Schienen oder störrische Elefanten und doch war die Zeit in der Tanzara ein kleines Abenteuer. Stundenlang saßen wir am Fenster und schauten raus.




Tansanias Berge zogen vorbei und der unberührte Nationalpark. Wir haben Antilopen und Affen gesehen und meine Mitfreiwillige entdeckte sogar ein Warzenschwein. Auch wenn der Zug ruckelte und pfiff wie sonst was war es richtig angenehm so lange dort zu verbringen. Ich hab mich ein bisschen wie in einem alten Film gefühlt oder wie im Hogwarts Express aus Harry Potter. Die Toiletten waren natürlich eine Katastrophe und wir mussten auch drei Tage ohne Dusche auskommen, aber dafür gab es richtig gutes Essen im Speisewagon und sogar eine kleine Bar mit ausreichend Getränken die man sich auf das Abteil bringen lassen konnte. Da saßen wir dann den Tag über zusammen und haben viel gequatscht und die Landschaft bewundert, Musik gehört und Filme geguckt solange es unsere Handy und Laptopakkus es ausgehalten haben und die letzte Zeit zusammen genossen.








Natürlich waren wir nach drei Tagen, nach 60 Stunden Zugfahrt, schon etwas kaputt. Doch es hatte sich gelohnt die Rückfahrt mit dem Zug anzutreten. Mit nur acht Stunden Verspätung kam die Tanzara dann schließlich im sambischen Kapiri an. Wir hatten es geschafft, wir waren wieder Zuhause!




Mittwoch, 13. Januar 2016

Ein bisschen deutsche Luft

Nach Weihnachten stand für mich die erste Reise an: Tansania und Sansibar. Über Silvester hatte ich mich mit anderen Freiwilligen in Verbindung gesetzt um den Jahreswechsel auf Sansibar gemeinsam feiern zu können und anschließend nach Dar Es Salaam, der Hauptstadt Tansanias, zurückzufahren um dort das Zwischenseminar zu besuchen. Natürlich hatten wir alles wunderbar geplant, insbesondere zuerst einmal die Anreise, und natürlich wurden unsere Pläne durchkreuzt. Der Bus, mit dem wir fahren wollten, war voll, der Flieger zur Alternative dann ebenfalls, und schließlich musste ich innerhalb ein paar Stunden meine Sachen packen und überstürzt in den Copperbelt Sambias fahren um dort noch den letzten Bus zu erwischen der uns rechtzeitig nach Sansibar bringen sollte. Nach drei chaotischen Tagen Busfahrten hatten wir über 2000 Kilometer hinter uns gelassen und ein kleines Abendteuer erlebt, waren müde und fertig mit den Nerven und konnten es gar nicht glauben auf der Trauminsel Sansibar gelandet zu sein. Besonders ich, die keinen Deutschen in dem halben Jahr gesehen hatte, war etwas überfordert plötzlich so viele deutsche Stimmen um mich herum zu hören, so viele Touristen zu sehen, Restaurants, Souvenirshops, Hotels, … ich fühlte mich wie in eine andere Welt versetzt. Auch wenn mir meine sambischen Leute gefehlt haben, habe ich es richtig genossen noch einmal auf meiner Muttersprache tiefgreifende Diskussionen zu führen und sich über das Ein oder Andere lustig zu machen, Geschichten auszutauschen und ein bisschen feiern zu gehen und Tourist zu sein. Wir haben die Woche Sansibar so weit wie es ging ausgenutzt, haben Delfine gesehen, sind schnorcheln gegangen, haben fleißig Klamotten gekauft, europäisch gegessen, sind ins Kino gegangen und all solche Sachen die uns in dem halben Jahr Freiwilligendienst gefehlt haben. Sansibar ist dabei nicht nur ein Paradies mit malerischen Stränden sondern hat auch eine unglaublich interessante Kultur, da hier östlich und afrikanische Welt ineinanderfließen. So leben mehr Muslime als Christen auf der Insel, orientalische Gerüche wehen durch die Straßen und Häuser sind mit tollen Ornamenten und Mustern verziert. Besonders in Stone Town gibt es eine tolle Atmosphäre, die durch enge Gässchen und verwinkelte Straßen, wehenden Fähnchen, Fensterläden, Restaurants, Moscheen und einem großen, chaotischen Markt geprägt ist. Neben dem großen Tourismus fiel mir aber auch die andere Seite Sansibars auf. Auch hier gibt es Menschen die sehr einfach leben und dort wurde es mir viel mehr bewusst als in Sambia, weil einfach der Kontrast zu den vielen weißen Europäern da war.

Danach sind wir in die Hauptstadt Dar Es Salaam gefahren um das Vorbereitungsseminar zu besuchen. Dar Es Salaam kam mir einfach riesig vor. Auch hier gibt es im Gegensatz zu Sambia einen östlichen Einfluss, da die Stadt direkt am indischen Ozean liegt. Wolkenkratzer ragen in den Himmel, es gibt große Malls, Einkaufszentren, kleine Viertel mit einfachen Häusern und große Villen. Dar Es Salaam hat sehr viel von allem und um die gesamte Stadt erfassen zu können, waren wir einfach viel zu kurz dort. Das Zwischenseminar fand in einem Spirituell Center statt, welcher wirklich wunderschön angelegt war. Wir waren super gut versorgt und ich kam mir wie im Paradies vor und irgendwie ein bisschen wie in Deutschland. Obwohl ich nur rund 2000 Kilometer von meiner Einsatzstelle und weiterhin viele, viele Kilometer zwischen mir und Deutschland lagen, habe ich mich näher an Aachen als an Mazabuka gefühlt. Inhaltlich war es wirklich sehr interessant die Woche dort mit den anderen Freiwilligen zu verbringen, sich auszutauschen, das FSJ kritisch zu beleuchten, den Sinn des Ganzen zu diskutieren, sich über Glauben, Kultur und Menschen auszutauschen und so weiter und so weiter. Vor allem, weil man weiß, dass die anderen FSJler viele Erfahrungen genauso gespürt haben und genauso verstehen. Die Woche in Dar Es Salaam ging somit unglaublich schnell vorbei. Was feststeht ist aber: Wir werden uns alle hier nochmal besuchen und eine Deutschlandtour nächstes Jahr steht bestimmt ebenfalls an. Außerdem freue ich mich auch schon wieder auf meine sambische Familie und mein Zuhause dort. Man merkt hier richtig wie sehr man sich dort schon heimisch fühlt.





 

Samstag, 26. Dezember 2015

Spirituelle Adventszeit und Weihnachten

Irgendwie vermisse ich die deutsche Adventszeit schon –mit Adventskalender, Nikolausfest, Plätzchen backen, Weihnachtsmarkt, Schnee, Geschenke kaufen, überall Beleuchtung und Kerzen und Weihnachtslieder im Radio. Denn hier merkt man von alledem nichts. Es ist kein bisschen kalt, es gibt keinen Weihnachtsmarkt und die meiste Adventsstimmung bekomm ich noch im Supermarkt wo die Gänge mit Lametta geschmückt sind und Weihnachtslieder laufen. Keine Printenmänner und Lebkuchen schon Oktober in den Regalen, keine Weihnachtsbeleuchtung, keine überfüllte Stadt, weil alle Geschenke kaufen.

Stattdessen wird hier mehr auf den eigentlichen Grund von Weihnachten geschaut: Jesu Geburt. Deswegen ist Adventszeit kein Rummel um Geschenke, keine Neuinterpretation zum Vorteil für die Geschäfte und Geldmacherei, kein Stress. Adventszeit ist das Warten auf Jesus Geburt. Deswegen ist die Kirche in Lila geschmückt (die Farbe des Advents), es gibt dort einen Adventskranz und die Leute gehen zu sogenannten „Retreats“, wo man zusammen betet und spirituelle Vorträge gehalten werden.


Eigentlich ja viel schöner als der ganze Trubel und die Hetze vor Weihnachten. Eigentlich doch viel entspannter und so, wie Weihnachten ursprünglich auch sein sollte bevor der Kapitalismus einen Vorteil aus dem Fest gezogen hat.

Aber ich als deutsches Mädchen vermisse die typische Stimmung im Advent trotzdem. Neben dem Geschenkestress haben wir ja doch schöne Traditionen in Deutschland, wie der Weihnachtsbaum, die Weihnachtslieder und das Plätzchenbacken. Deswegen habe ich hier vor ein paar Wochen schon angefangen Plätzchen zu backen –die nach ein paar Tagen schon aufgegessen waren. Ein bisschen deutsche Weihnachtskultur kann ich so auch hier nach Sambia bringen.

Andererseits erfahre ich, was die Jugendlichen hier zu Weihnachten machen: Am Sonntag fand nämlich eine Art Wettbewerb zwischen den unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Gemeinde statt und zwar im Weihnachtslieder singen. Wir haben uns in unserer Gruppe die Wochen vorher jeden Tag getroffen und Tongalieder einstudiert, dazu bestimmte Schritte und Bewegungen und natürlich mit Trommeln.


So werden Weihnachtslieder hier aufgeführt. Nicht einfach nur Singen, nein. Es wird getanzt und getrommelt und geklatscht bis man müde ist. Die Performances waren echt super! Die Bühne haben die Priester und Schwestern eröffnet die zusammen gesungen haben und dann kamen die kleinen Gemeinden. Manche waren so gut, dass das Publikum total gefeiert hat. Leute sind aufgesprungen und auf die Bühne gerannt und haben mitgetanzt und ihre Tücher in der Luft geschwungen. Es war echt eine super Atmosphäre und man hat den „Weihnachtsspirit“ in der Luft gespürt. Unsere Gruppe hat auch einen sehr guten Auftritt hingelegt und wie schon beim ersten Mal Tonga singen waren die Leute überrascht und angetan, dass ich als Deutsche in ihrer Sprache mitsinge.


Meine Eltern waren sehr stolz und das war ich dann auch. Dieser Tag hat mir gezeigt, was doch das Wahre und Schöne an Weihnachten ist. Zusammenkommen um gemeinsam zu Singen, zu Tanzen, Spaß zu haben und zu genießen, dass bald Weihnachten ist.

Ja und dann Weihnachten selbst. Ich habe vorher natürlich fleißig mit meiner Schwester Plätzchen gebacken (die Mama dann versteckt hat damit sie niemand vor Weihnachten isst) und sowieso wurde so viel Essen eingekauft, gekocht und gebacken, dass ich ganz erstaunt war. Wir haben Scons gebacken, Pudding gekocht, es gab verschiedene Säfte und Softdrinks, wir haben Fisch gebraten, verschiedenes Gemüse zubereitet und und und. Man hat echt gemerkt, dass was Besonderes bevorstand. Und dann habe ich mir extra für Weihnachten ein Kleid nähen lassen, was ich Heiligabend dann abgeholt habe.




Fleißig wurde dann vor der Abendmesse gewaschen und gebügelt und sich herausgeputzt und ich war schon ganz aufgeregt wie die Christmette wohl wird. Es war dann echt sehr schön in der Messe. Die Stella-Kinder, wo meine Schwester auch zugehört, haben getanzt. Sie hatten alle weiße Kleider an und Glitzer auf den Armen und beim Gloria und Halleluja haben sie sich in den Mittelgang gestellt und getanzt.


Sowieso war es total feierlich, der Chor hat die Lieder geschmettert und alle Leute haben mitgeklatscht und mitgetanzt. Da hat man gespürt, dass Weihnachten ist. Nachher als wir nach Hause kamen, war sogar ein kleiner Weihnachtsbaum im Wohnzimmer aufgebaut und ein Krippenbild aufgestellt.


Und es gab so viel gutes Essen, dass wir alle satt und glücklich und sehr spät in die Betten gefallen sind. Einmal Weihnachten hier so ganz anders und doch ähnlich wie in Aachen zu feiern war deswegen auf jeden Fall ein Erlebnis wert. Das Weihnachtsgefühl war trotz der sommerlichen Temperaturen irgendwie da.

Montag, 14. Dezember 2015

Voller Gegensätze – Lusaka

Ich musste wegen meinem Visa nach Lusaka in die Hauptstadt mit der Sister fahren und das war tatsächlich das erste Mal seit ich in Mazabuka Anfang September angekommen bin, dass ich meine Heimatstadt verlasse.
Wir sind natürlich mit einem der Autos nach Lusaka gefahren die zwischen den Städten hin und herpendeln statt das Auto der Sister zu nehmen, weil es einfach preiswerter ist –und außerdem ein Erlebnis wert. Denn die drei Stunden Autofahrt nach Lusaka und generell reisen ist oft ein kleines Abendteuer. Wir saßen zu viert gequetscht auf der Rückbank, unangeschnallt, eine Frau hatte ihr Baby auf dem Schoß, und dann über die schlecht geteerten Straßen bis nach Lusaka. Ich habe mich übrigens noch immer nicht an den Linksverkehr hier gewöhnt, weil manchmal einfach niemand im Linksverkehr fährt. Wenn gerade keiner entgegenkommt und die Straße auf der anderen Seite besser asphaltiert ist, wechselt man halt mal eben die Spur. Als wir Lusaka erreicht hatten, waren wir also ganz schön durchgeschüttelt.
Wir fuhren durch die Stadt zu den Botschaften und kamen an so vielen unterschiedlichen Orten vorbei. Ich war ja erst einmal in der Hauptstadt und zwar als ich gerade mit dem Flieger angekommen war. Da hatte ich gar keinen Nerv all die unterschiedlichen Gegenden hier aufzunehmen. Doch jetzt war ich wachsamer. Es gibt sehr schöne Ecken von Lusaka, große Hotelanlagen, Schwimmbäder, Rasenflächen mit so viel Grün, Parkanlagen –und dann auf der anderen Seite graue Hochhäuser, Wellblechhütten-Märkte und vermüllte Straßen.



Eine Stadt voller Kontraste. Auch als wir in die Stadt mit einem der bunten Minibusse gefahren sind, war diese voller Eindrücke. So viele Menschen, auf dem Weg zur Arbeit, Händler, Kinder die auf der Straße spielen, Alt und Jung, Schwarz und Weiß.


Es gibt riesige Märkte und tausend kleine Geschäfte und wir haben sogar einen echten Eisladen gefunden wo italienisches Eis verkauft wird und sind anschließend Pizza essen gewesen –meine erste Pizza seit fast vier Monaten.



Leider habe ich nicht viele Fotos gemacht, aber ein paar Eindrücke bekommt ihr. Es ist auch sehr schwer das alles zu beschreiben – die Atmosphäre muss man einfach erlebt haben. Die Rückfahrt war dann wieder etwas unbequem aber bei offenem Fenster mit frischem Wind im Haar und Gospelmusik aus dem Radio und der tollen Landschaft zwischen Lusaka und Mazabuka habe ich die Reise doch sehr genossen.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Über Wetter und Politik


Ich wollte schon was länger einen Post machen, der euch ein bisschen über die Lage zur Zeit hier in Sambia informiert, aber ich habe mich nicht wirklich getraut so etwas hier zu veröffentlichen, weil ich ja auch nur subjektiv berichte und außerdem auch als Deutsche nicht alles mitbekomme und ebenfalls ja noch nicht lange hier bin und deswegen gar nicht so viel urteilen kann. Aber trotzdem, ein bisschen kann ich schon über die Lage hier berichten, zumindest so wie ich sie erlebe und wie ich es von Freunden und der Familie erzählt bekomme.


Gerade haben wir nämlich eine vergleichsweise schwere Zeit in Sambia. Das hat viele Gründe, unter anderem das Wetter. Letztes Jahr gab es nicht viel Regen und so wurde mit Wasser dieses Jahr viel gespart. Manchmal haben wir nur abends und morgens fließendes Wasser, manchmal den ganzen Tag. Vor ein paar Wochen war es in manchen Teilen Mazabukas so, dass die Leute kein Wasser für ein paar Tage hatten und das wurde echt zum Problem.
Zum Glück ist das nicht wieder vorgekommen. Dasselbe mit Strom. Hier in Mazabuka ist das nicht wirklich ein Problem, manchmal haben wir für ein paar Stunden am Tag keine Elektrizität, doch das ist schon okay. Aber in anderen Städten wie zum Beispiel der Hauptstadt Lusaka fällt der Strom täglich für sechs Stunden aus. Das ist nicht normal für Sambia, erzählt meine Familie hier, das hat es noch nie gegeben. Manche Leute sagen aber, dass es nicht nur mit der schlechten Regenzeit vom letzten Jahr zu tun hat, sondern auch mit der Art und Weise wie die Verantwortlichen mit diesem Problem umgehen. Und auch dieses Jahr hat der Regen sich sehr, sehr verspätet, schlimmer als letztes Jahr. Eigentlich erwarten wir Regen um Ende Oktober rum. Im November regnet es dann meistens schon ziemlich stark. Dieses Jahr ist bis jetzt noch kein Regen gekommen. Manchmal schauert es ein bisschen, aber das war es dann auch schon wieder. Das Problem ist, dass die Farmer hier so ihren Mais nicht ordentlich pflanzen können und dieser Mais ist das Grundnahrungsmittel hier. Es wird also auf Regen gehofft und um Regen gebetet, doch dank des Klimawandels wird nächstes Jahr wohl auch keine gute Ernte da sein. Das ist ein großes Problem.


Neben dem Regen geht es mit der Wirtschaft auch gerade ziemlich den Bach runter. Wir bezahlen hier mit Kwacha und unsere Währung verliert zurzeit sehr an Wert. Als ich im August kam war ein Euro acht Kwacha wert. Jetzt ist ein Euro 14 Kwacha wert. Fast das Doppelte also. So steigen die Preise überall und die Leute fragen sich, wie lange das noch so gehen soll. Besonders jetzt um die Weihnachtszeit wird erwartet, dass sich die Situation noch zuspitzt.


    (Zuckerfabrik in  Mazabuka)


Wir hoffen alle, dass nächstes Jahr die Lage Sambias besser wird und dass der Regen bald kommt um immerhin den Mais wachsen zu lassen. Ebenfalls wird nächstes Jahr neu gewählt, so dass viele Leute die Hoffnung haben, dass sich dann die Dinge ändern. Wir werden es sehen. Nichtsdestotrotz ist Sambia ein wundervolles Land, auch mit schlechten Regenzeiten oder einer schlechten Wirtschaft. Die Menschen hier sind friedvoll und stolz auf ihr Sambia und ich bin ebenfalls stolz für ein Jahr dazuzugehören.